Digitalisierung steigert die Arbeitszufriedenheit

nach COVID-bedingtem Ausfall nun endlich wieder physisch vor Ort

47 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund der Digitalisierung zufriedener oder leicht zufriedener mit ihrer Arbeit zu sein. Lediglich 15 Prozent der Befragten bewerten die Digitalisierung negativ.

Das Schlagwort Digitalisierung ist heutzutage allgegenwärtig. In dieser Debatte wird dem Einfluss der digitalen Transformation auf die Qualität bestehender Stellen nur wenig Beachtung geschenkt. Wie eine Umfrage unter den Diplomierten der Höheren Fachschule zeigt, steigert die Digitalisierung mehrheitlich die Zufriedenheit der Befragten.

Unter Digitalisierung versteht man den Wandel zu digitalen Prozessen und Produkten mittels Informations- und Kommunikationstechnologien. Allerdings ist noch wenig darüber bekannt, wie stark Arbeitskräfte davon wirklich betroffen sind. Die ODEC1 hat Forscherinnen und Forscher der KOF im Herbst 2017 die Gelegenheit geboten, mehr als 3000 Diplomierte der Höheren Fachschule (HF) zu befragen, wie die Digitalisierung ihre Arbeit beeinflusst2. Dieser Beitrag beschreibt die Ergebnisse der Befragung.

Grafik G 7 zeigt auf der horizontalen Achse für jeden Fachbereich den Anteil von HF-Diplomierten, welcher angibt, dass Digitalisierung einen Einfluss auf die Arbeit hat.

G 7: Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeit und Notwendigkeit zusätzliche Bildung nach HF-Fachbereich (Total N = 3’586)

Die Resultate zeigen, dass Digitalisierung generell einen starken Einfluss auf die Arbeit hat. Überraschenderweise zeigen die Ergebnisse, dass sich die Arbeit im HF-Fachbereich «Land- und Forstwirtschaft» am stärksten verändert hat, wobei hier nur acht Beobachtungen vorliegen. Auch die Arbeit in den Bereichen «Gastgewerbe, Tourismus und Hauswirtschaft», «Technik» und «Wirtschaft» hat sich überdurchschnittlich stark verändert. Hingegen hat die Digitalisierung einen unterdurchschnittlichen Einfluss in den Fachbereichen «Gesundheit» sowie «Soziales und Erwachsenenbildung».

Weitere Datenauswertungen zeigen, dass Männer mehr betroffen sind als Frauen, und dass die Auswirkungen des digitalen Wandels stärker sind für Angestellte in Grossfirmen. Interessant ist auch, dass die französischsprachige Schweiz unterdurchschnittlich betroffen ist, während die Digitalisierung bei Betroffenen aus dem Tessin eine sehr starke Veränderung bewirkt. Die Arbeit von Angehörigen des Kaders, der Geschäftsleistung oder Direktion hat sich sehr stark verändert. Hingegen geben Selbstständigerwerbende an, weniger stark beeinflusst zu sein.

Des Weiteren zeigt Grafik G 7 auf der vertikalen Achse, inwiefern die Befragten aufgrund der Digitalisierung eine zusätzliche Aus- oder Weiterbildung als notwendig erachten. Auch in dieser Hinsicht gibt es grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen HF-Fachbereichen. In den Bereichen «Land- und Forstwirtschaft» sowie «Gastgewerbe, Tourismus und Hauswirtschaft» sind rund 85 Prozent der Befragten überzeugt, dass wegen der Digitalisierung eine Aus- oder Weiterbildung nötig sein wird. Hingegen sehen im Bereich «Soziales und Erwachsenenbildung» weniger als 60 Prozent der Befragten eine Notwendigkeit. Grafik G 7 zeigt zudem eine starke Korrelation zwischen dem Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeit und dem wahrgenommenen Bedarf nach Aus- und Weiterbildung aufgrund der Digitalisierung.

Es kann vermutet werden, dass der Arbeitsinhalt durch die Digitalisierung attraktiver wird, weshalb die Zufriedenheit steigt.

Eine allgemeine Vermutung ist, dass aufgrund der Digitalisierung viele Stellen verloren gehen. Folglich steht die Hypothese im Raum, dass die Digitalisierung die Stellensicherheit von Angestellten gefährdet und deshalb auch die Arbeitszufriedenheit negativ beeinflusst. Umgekehrt kann aber auch vermutet werden, dass der Arbeitsinhalt durch die Digitalisierung attraktiver wird, weshalb die Zufriedenheit steigt. Mit den Daten der ODEC-Umfrage können die Autoren empirisch untersuchen, ob die Digitalisierung die Arbeitszufriedenheit von HF-Diplomierten positiv oder negativ beeinflusst.

Grafik G 8 zeigt, dass die Befragten die Digitalisierung im Allgemeinen positiv bewerten. 47 Prozent der Befragten geben an, aufgrund der Digitalisierung zufriedener oder leicht zufriedener mit ihrer Arbeit zu sein. Rund 38 Prozent der Befragten geben an, dass die Digitalisierung die Arbeitszufriedenheit nicht verändert. Lediglich 15 Prozent der Befragten bewerten die Digitalisierung negativ.

G 8: Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitszufriedenheit (N = 2’904)

Die Ergebnisse sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Digitalisierung nicht nur die Quantität der angebotenen Stellen verändert, sondern auch die Qualität von bestehenden Stellen verbessern kann. Dieser positive Einfluss wurde bislang in den öffentlichen Diskussionen vernachlässigt.

Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass die Befragten sich tendenziell zufriedener erklären, je mehr ihre Arbeit von der Digitalisierung tangiert ist. Besonders stark stimuliert die Digitalisierung die Arbeitszufriedenheit von Männern, Angestellten in Grossfirmen sowie im Tessin und von Angehörigen des Kaders, der Geschäftsleitung und der Direktion. Es zeigt sich weiter, dass insbesondere jüngere Befragte die Digitalisierung positiv betrachten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Einfluss der Digitalisierung in allen Gruppen einen zumindest neutralen Einfluss aufweist. (ETH Zürich KOF)

1 Die Dachorganisation der dipl. Absolventinnen und Absolventen HF aller Fachrichtungen.
2 Das Durchschnittsalter der Stichprobe liegt bei 35 Jahren, wobei die Mehrheit der Befragten zwischen 25 und 49 Jahren alt ist.

Weitere Auswertungen sind im folgenden Artikel enthalten: Pusterla, F. , Bolli, T., und U. Renold (2018): So nehmen HF-Diplomierte die Digitalisierung wahr. ODEC Bulletin, 2018 (2): 12-13, Winterthur: ODEC.

Quelle des Artikels: ETH Zürich KOF

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