Das Handelsdiplom dauert zwei Semester und kann sehr gut berufsbegleitend besucht werden. Man muss also sein Arbeitspensum nicht zwingend reduzieren.

Handelsdiplom SIW

«Digitalisierung erfordert primär eine Änderung des Mind-Settings»

SIW ist die erste digitale Höhere Fachschule der Schweiz und vermittelt ihren Studierenden zukunftsträchtige digitale Kompetenzen. Auch der neu konzipierte Lehrgang Handelsdiplom SIW ist ganz darauf ausgelegt, die Studierenden für eine digitalisierte Arbeitswelt fit zu machen, wie Schulleiter Rolf Böhm im Interview mit «Fokus – next step» erläutert.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein neues Handelsdiplom zu konzipieren, wo es doch etablierte Lehrgänge gibt?
Rolf Böhm:
Wir wollten unser Lehr- und Lernkonzept «alpha-learning» auch für andere Lehrgänge nutzen. Dabei studierten wir die Reglemente und Lernzielvorgaben der etablierten Handelsdiplome und mussten feststellen, dass deren Inhalte überhaupt nicht mehr zeitgemäss sind. Die Inhalte sind stark geprägt durch Buchhaltung und nochmals Buchhaltung. Mal ehrlich, wer braucht das heute und in einer künftig stark digitalisierten Wirtschaft noch? Auch stellten wir fest, dass die Leute, die bei diesen Handelsdiplomen das Sagen haben, nicht offen für Veränderungen sind. So kam es, dass wir ein neues Handelsdiplom konzipierten.

Wofür steht «alpha-learning»?
Dieser Begriff steht für ein Lehr- und Lernkonzept, das die digitalen Möglichkeiten zweckmässig nutzt. Viel denken bei digitaler Schule an eine Videokonferenz. Dabei wird vergessen, dass «digitale Schule» aus weit mehr als nur Videokonferenzen besteht. Der Unterricht in einer digitalen Schule muss ganz anders gestaltet werden als in einer «traditionellen» Schule. Das Lernen an sich jedoch bleibt sich – egal, ob digitale oder analoge Schule – immer gleich. Es gilt in einer digitalen Schule, die technischen Möglichkeiten so zu nutzen, dass das Lernen optimal unterstützt wird.

Warum sind Ihnen die Kompetenzen für die Digitalisierung so wichtig?
Bis jetzt waren Computer wichtig, wenn es darum ging, grosse Massen sich wiederholender Tätigkeiten zu erledigen, beispielsweise der Zahlungsverkehr bei einer Bank oder in der Post. Doch die neuen Technologien können viel weitergehende Arbeiten übernehmen. Sie ermöglichen zum Beispiel, dass Computer Entscheidungen fällen oder Kunden beraten und vieles mehr. Zudem werden die Bild- und Spracherkennungen rasant besser. In gewissen Bereichen ist es bereits so, dass wir nicht mehr merken, ob wir mit einem Computer oder einem Menschen sprechen. Wenn wir in einer Wirtschaft bestehen wollen, die diese Technologien nutzt, dann dürfen wir keinesfalls mehr «Buchhaltung» vermitteln.

Welche Kompetenzen werden in Ihrem Handelsdiplom-Lehrgang besonders gefördert?
Wir nutzen einerseits konsequent moderne Technologien in der Durchführung des Lehrgangs. Die Teilnehmenden arbeiten ausschliesslich mit ihrem Laptop und vernetzen sich über kollaborative Plattformen. Dabei lernen sie einerseits deren Bedienung, aber auch die für die Zukunft notwendigen Kompetenzen wir Kreativität, Problemlösung, Vernetzung und vieles mehr.

Was zeichnet das neue Handelsdiplom speziell aus, welche Vorteile haben die Studierenden?
Wir orientieren uns an der aktuellen Praxis. Wir vermitteln zum Beispiel einerseits, wie moderne Unternehmen organisiert und strukturiert sind, aber auch wie sie kommunizieren, Projekte angehen, Probleme lösen, Kunden bedienen et cetera. Wir vermitteln dabei die Kompetenzen, die es in einem solchen Umfeld braucht, etwa wie kundenorientierte Problemlösungen angegangen werden. Der Lehrgang folgt daher nicht mehr den klassischen Fächerstrukturen, sondern setzt auf Interaktion, Selbstlernkompetenzen und Kollaboration. Uns ist wichtig, dass wir nebst den reinen Fertigkeiten auch das Denken und Handeln der Teilnehmenden beeinflussen. Digitalisierung erfordert primär eine Änderung des Mind-Settings.

Welche Zielgruppe sprechen Sie an?
Mit unserem Handelsdiplom sprechen wir alle an, die eine Lehre absolviert haben, bei der die bereits erwähnten Kompetenzen nicht vermittelt wurden. Das Handelsdiplom ist einerseits eine Ergänzung, aber auch der Einstieg in eine weitergehende Ausbildung wie zum Beispiel als dipl. Betriebswirtschafter/in HF oder dipl. Wirtschaftsinformatiker/in HF.

Wie lange dauert der Handelsdiplom-Lehrgang bei SIW?
Das Handelsdiplom dauert zwei Semester und kann sehr gut berufsbegleitend besucht werden. Man muss also sein Arbeitspensum nicht zwingend reduzieren.

Muss man spezifische Voraussetzungen erfüllen?
Wir legen Wert auf eine hohe intrinsische Motivation. Zudem sind gute Sprachkenntnisse in Deutsch oder Englisch zwingend nötig.

Für welche Ausbildungen ist man anschliessend zugelassen?
Nach dem Handelsdiplom SIW ist der Anschluss an einen Studiengang wie dipl. Betriebswirtschafter/in HF, dipl. Wirtschaftsinformatiker/in HF oder auch technische Kaufleute problemlos möglich.

Zuerst erschienen in «Fokus – next step»